So ein paar grundgelehrte Zitate sind eine Zier fr den Menschen.
		-- Heinrich Heine
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Beine hat uns zwei gegeben
Gott der Herr, um fortzustreben,
Wollte nicht, da an der Scholle
Unsre Menschheit kleben solle.
Um ein Stillstandsknecht zu sein,
Gngte uns ein einzges Bein.

Augen gab uns Gott ein Paar,
Da wir schauen rein und klar;
Um zu glauben was wir lesen,
Wr ein Auge gnug gewesen.
Gott gab uns die Augen beide,
Da wir schauen und begaffen
Wie er hbsch die Welt erschaffen
Zu des Menschen Augenweide;
Doch beim Gaffen in den Gassen
Sollen wir die Augen brauchen
Und uns dort nicht treten lassen
Auf die armen Hhneraugen,
Die uns ganz besonders plagen,
Wenn wir enge Stiefel tragen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
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Gott versah uns mit zwei Hnden,
Da wir doppelt Gutes spenden;
Nicht um doppelt zuzugreifen
Und die Beute aufzuhufen
In den groen Eisentruhn,
Wie gewisse Leute tun -
(Ihren Namen auszusprechen
Drfen wir uns nicht erfrechen -
Hngen wrden wir sie gern.
Doch sie sind so groe Herrn,
Philanthropen, Ehrenmnner,
Manche sind auch unsre Gnner,
Und man macht aus deutschen Eichen
Keine Galgen fr die Reichen.)
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
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Gott gab uns nur eine Nase,
Weil wir zwei in einem Glase
Nicht hineinzubringen wten,
Und den Wein verschlappern mten.

Gott gab uns nur einen Mund,
Weil zwei Muler ungesund.
Mit dem einen Maule schon
Schwtzt zu viel der Erdensohn.
Wenn er doppeltmulig wr,
Fr und lg er auch noch mehr.
Hat er jetzt das Maul voll Brei,
Mu er schweigen unterdessen,
Htt er aber Muler zwei,
Lge er sogar beim Fressen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
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Mit zwei Ohren hat versehn
Uns der Herr. Vorzglich schn
Ist dabei die Symmetrie.
Sind nicht ganz so lang wie die,
So er unsern grauen braven
Kameraden anerschaffen.
Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden
Meisterstcke anzuhren -
Gb es nur Tonkunst-Kolik
Und Hmorrhoidal-Musik
Von dem groen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlnglich wr! -
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
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Die Briten zeigten sich sehr rde
Und ungeschliffen als Regizide.
Schlaflos hat Knig Karl verbracht
In Whitehall seine letzte Nacht.
Vor seinem Fenster sang der Spott
Und ward gehmmert an seinem Schafott.
   Viel hflicher nicht die Franzosen waren.
   In einem Fiaker haben diese
   Den Ludwig Capet zum Richtplatz gefahren;
   Sie gaben ihm keine Calche de Remise,
   Wie nach der alten Etikette
   Der Majestt gebhret htte.
Noch schlimmer ergings der Marie Antoinette,
Denn sie bekam nur eine Charrette;
Statt Chambellan und Dame d'atour
Ein Sansculotte mit ihr fuhr.
Die Witwe Capet hob hhnisch und schnippe
Die dicke habsburgische Unterlippe.
   Franzosen und Briten sind von Natur
   Ganz ohne Gemt; Gemt hat nur
   Der Deutsche, er wird gemtlich bleiben
   Sogar im terroristischen Treiben.
   Der Deutsche wird die Majestt
   Behandeln stets mit Piett.
   In einer sechsspnnigen Hofkarosse,
   Schwarz panaschiert und beflort die Rosse,
   Hoch auf dem Bock mit der Trauerpeitsche
   Der weinende Kutscher - so wird der deutsche
   Monarch einst nach dem Richtplatz kutschiert
   Und untertnigst guillotiniert.
       -- Heinrich Heine
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Einem Abtrnnigen

O des heilgen Jugendmutes!
O, wie schnell bist du gebndigt!
Und du hast dich, khlern Blutes,
Mit den lieben Herrn verstndigt.

Und du bist zu Kreuz gekrochen,
Zu dem Kreuz, das du verachtest,
Das du noch vor wenig Wochen
In den Staub zu treten dachtest!

O, das tut das viele Lesen
Jener Schlegel, Haller, Burke -
Gestern noch ein Held gewesen,
Ist man heute schon ein Schurke.

		-- Heinrich Heine
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Der neue Alexander  I

Es ist ein Knig in Thule, der trinkt
Champagner, es geht ihm nichts drber;
Und wenn er seinen Champagner trinkt,
Dann gehen die Augen ihm ber.
  Die Ritter sitzen um ihn her,
  Die ganze historische Schule;
  Ihm aber wird die Zunge schwer,
  Es lallt der Knig von Thule:
Als Alexander, der Griechenheld,
Mit seinem kleinen Haufen,
Erobert hatte die ganze Welt,
Da gab er sich ans Saufen.
  Ihn hatten so durstig gemacht der Krieg
  Und die Schlachten, die er geschlagen;
  Er soff sich zu Tode nach dem Sieg,
  Er konnte nicht viel vertragen.
Ich aber bin ein strkerer Mann
Und habe mich klger besonnen:
Wie jener endete, fang ich an,
Ich hab mit dem Trinken begonnen.
  Im Rausche wird der Heldenzug
  Mir spter weit besser gelingen;
  Dann werde ich, taumelnd von Krug zu Krug,
  Die ganze Welt bezwingen.
    -- Heinrich Heine
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Der neue Alexander  II  (Erster Feldzug)

Da sitzt er und schwatzt, mit lallender Zung,
Der neue Alexander;
Den Plan der Welteroberung,
Den setzt er auseinander:
  Lothringen und Elsa, das wei ich lngst,
  Die fallen uns zu von selber;
  Der Stute folgt am End der Hengst,
  Es folgen der Kuh die Klber.
Mich lockt die Champagne, das bere Land,
Wo jene Reben sprieen,
Die lieblich erleuchten unsern Verstand
Und uns das Leben versen.
  Hier soll sich erproben mein Kriegesmut,
  Hier soll der Feldzug beginnen;
  Es knallen die Pfropfen, das weie Blut
  Wird aus den Flaschen rinnen.
Hier wird mein junges Heldentum
Bis zu den Sternen moussieren!
Ich aber verfolge meinen Ruhm,
Ich will auf Paris marschieren.
  Dort vor der Barriere mach ich Halt,
  Denn vor den Barriere-Pforten
  Da wird kein Oktroi bezahlt
  Fr Wein von allen Sorten.
    -- Heinrich Heine
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Der neue Alexander  III

Mein Lehrer, mein Aristoteles,
Der war zuerst ein Pfffchen
Von der franzsischen Kolonie,
Und trug ein weies Beffchen.
  Er hat nachher als Philosoph
  Vermittelt die Extreme,
  Und leider Gottes hat er mich
  Erzogen nach seinem Systeme.
Ich ward ein Zwitter, ein Mittelding
Das weder Fleisch noch Fisch ist,
Das von den Extremen unsrer Zeit
Ein nrrisches Gemisch ist.
  Ich bin nicht schlecht, ich bin nicht gut,
  Nicht dumm und nicht gescheute,
  Und wenn ich gestern vorwrts ging,
  So geh ich rckwrts heute.
Ein aufgeklrter Obskurant,
Und weder Hengst noch Stute!
Ja, ich begeistre mich zugleich
Fr Sophokles und die Knute.
  Herr Jesus ist meine Zuversicht,
  Doch auch den Bacchus nehme
  Ich mir zum Trster, vermittelnd stets
  Die beiden Gtterextreme.
    -- Heinrich Heine
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Antwort

Es ist der rechte Weg, den du betreten,
Doch in der Zeit magst du dich weidlich irren;
Das sind nicht Dfte von Muskat and Myrrhen,
Die jngst aus Deutschland mir verletzend wehten.

Wir drfen nicht Viktoria trompeten,
So lang noch Sbel tragen unsre Sbirren;
Mich ngstet, wenn die Vipern Liebe girren,
Und Wolf und Esel Freiheitslieder flten

		-- Heinrich Heine
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Augen, die nicht ferne blicken,
Und auch nicht zur Liebe taugen,
Aber ganz entsetzlich drcken,
Sind des Vetters Hhneraugen.

		-- Heinrich Heine
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Bamberg und Wrzburg

In beider Weichbild fliet der Gnaden Quelle,
Und tausend Wunder tglich dort geschehen.
Umlagert sieht man dort von Kranken stehen
Den Frsten, der da heilet auf der Stelle.

Er spricht: Steht auf und geht! und flink und schnelle
Sieht man die Lahmen selbst von hinnen gehen;
Er spricht: Schaut auf und sehet! und es sehen
Sogar die Blindgebornen klar und helle.

Ein Jngling naht, von Wassersucht getrieben,
Und fleht: Hilf, Wundertter, meinem Leibe.
Und segnend spricht der Frst: Geh hin und schreibe!

In Bamberg und in Wrzburg machts Spektakel,
Die Handlung Gbhardts rufet laut: Mirakel! -
Neun Dramen hat der Jngling schon geschrieben.

		-- Heinrich Heine
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Mittelalterliche Roheit
Weicht dem Aufschwung schner Knste:
Instrument moderner Bildung
Ist vorzglich das Klavier.

Auch die Eisenbahnen wirken
Heilsam aufs Familienleben,
Sintemal sie uns erleichtern
Die Entfernung von der Sippschaft.

Wie bedaur ich, da die Darre
Meines Rckgratmarks mich hindert,
Lange Zeit noch zu verweilen
In dergleichen Fortschrittswelt!

		-- Heinrich Heine
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An Fritz von Beughem!

Mein Fritz lebt nun im Vaterland der Schinken,
Im Zauberland, wo Schweinebohnen blhen,
Im dunkeln Ofen Pumpernickel glhen,
Wo Dichtergeist erlahmt, und Verse hinken.

Mein Fritz, gewohnt, aus heilgem Quell zu trinken
Soll nun zur Trnke gehn mit fetten Khen,
Soll gar der Themis Aktenwagen ziehen, -
Ich frchte fast er mu im Schlamm versinken.

Mein Fritz, gewohnt auf buntbeblmten Auen
Sein Flgelro, mit leichter Hand, zu leiten,
Und sich zu schwingen hoch, wo Adler horsten;

Mein Fritz wird nun, will er sein Herz erbauen,
Auf einem drren Prosagaul durchreuten
Den Knppelweg von Mnster bis nach Dorsten.

		-- Heinrich Heine
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Das Bild

Lessing-Da Vinzis Nathan und Galotti,
Schiller-Raffaels Wallenstein und Posa,
Egmont und Faust von Goethe-Buonarotti -
Die nimm zum Muster, Houwald-Spinarosa!

		-- Heinrich Heine
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Wenn sich die Blutegel vollgesogen,
Man streut auf ihren Rcken blo
Ein bichen Salz, und sie fallen ab -
Doch dich, mein Freund, wie werd ich dich los?

Mein Freund, mein Gnner, mein alter Blutsauger,
Wo find ich fr dich das rechte Salz?
Du hast mir liebreich ausgesaugt
Den letzten Tropfen Rckgratschmalz.

Auch bin ich seitdem so abgemagert,
Ein ausgebeutet armes Skelett -
Du aber schwollest stattlich empor,
Die Wnglein sind rot, das Buchlein ist fett.

O Gott, schick mir einen braven Banditen,
Der mich ermordet mit raschem Sto -
Nur diesen langweilgen Blutegel nicht,
Der langsam saugt - wie werd ich ihn los?

		-- Heinrich Heine
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Burleskes Sonett

Wie nhm die Armut bald bei mir ein Ende,
Wt ich den Pinsel kunstgerecht zu fhren
Und hbsch mit bunten Bildern zu verzieren
Der Kirchen und der Schlsser stolze Wnde.

Wie flsse bald mir zu des Goldes Spende,
Wt ich auf Flten, Geigen und Klavieren
So rhrend und so fein zu musizieren,
Da Herrn und Damen klatschten in die Hnde.

Doch ach! mir Armen lchelt Mammon nie:
Denn leider, leider! trieb ich dich alleine,
Brotloseste der Knste, Poesie!

Und ach! wenn andre sich mit vollen Humpen
Zum Gotte trinken in Champagnerweine,
Dann mu ich drsten, oder ich mu - pumpen.

		-- Heinrich Heine
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Charade

Das Erste, das ist immer,
Und wenn auch die Welt vergeht;
Das Zweite ist man und bleibt man,
Wenn man zu lesen versteht.

		-- Heinrich Heine
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Duelle
  Zwei Ochsen disputierten sich
  Auf einem Hofe frchterlich.
  Sie waren beide zornigen Blutes,
  Und in der Hitze des Disputes
  Hat einer von ihnen, zornentbrannt,
  Den andern einen Esel genannt.
  Da Esel ein Tusch ist bei den Ochsen,
  So muten die beiden John Bulle sich boxen.
Auf selbigem Hofe zu selbiger Zeit
Gerieten auch zwei Esel in Streit,
Und heftig stritten die beiden Langohren,
Bis einer so sehr die Geduld verloren,
Da er ein wildes I-A ausstie,
Und den andern einen Ochsen hie.
Ihr wit, ein Esel fhlt sich tuschiert,
Wenn man ihn Ochse tituliert.
Ein Zweikampf, die beiden stieen
Sich mit den Kpfen, mit den Fen,
Gaben sich manchen Tritt in den Podex,
Wie es gebietet der Ehre Kodex.
  Und die Moral? Ich glaub, es gibt Flle,
  Wo unvermeidlich sind die Duelle;
  Es mu sich schlagen der Student,
  Den man einen dummen Jungen nennt.
    -- Heinrich Heine
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